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Parallele DWH-Entwicklung während Kernsystem-Modernisierung bei einem deutschen Versicherer

Methoden: Data Vault ELM
Tools: Datavault Builder QlikView
Parallele DWH-Entwicklung während Kernsystem-Modernisierung bei einem deutschen Versicherer

Herausforderung

Ein deutsches Versicherungsunternehmen mit über 100-jähriger Geschichte modernisierte sein zentrales Versicherungssystem, das Rückgrat der Vertragsverwaltung, Schadenbearbeitung und Kundendatenhaltung. Die Modernisierung führte ein bi-temporales Informationsmodell im neuen Quellsystem ein: Neben dem Zeitpunkt der Systemerfassung (Systemzeit) wird auch der Zeitpunkt des realen Geschäftsereignisses (Geschäftszeit) geführt. Diese zusätzliche Dimension war im bestehenden Data Warehouse nicht vorgesehen.

Die eigentliche Herausforderung lag in der Parallelität: Das DWH musste gleichzeitig mit dem noch nicht abgeschlossenen Quellsystem entwickelt werden. Herkömmliche Ansätze hätten erfordert, das Quellsystem zuerst fertigzustellen, was Analyse- und Reporting-Fähigkeiten um Monate verzögert hätte. Diese Verzögerung war für das Unternehmen nicht tragbar. Migrierte Kunden- und Vertragsdaten mussten sofort für das Reporting verfügbar sein, um die Migration zu validieren und den laufenden Betrieb sicherzustellen. Ohne zeitnahes Reporting hätte das Migrationsteam keine Möglichkeit gehabt, die korrekte Datenübernahme zu prüfen, und der Geschäftsbetrieb hätte auf veralteten Zahlen basiert.

Lösungsansatz

Alligator Company konzipierte das Data Warehouse auf Basis eines konkreten, fachlichen Versicherungsmodells mit ELM (Ensemble Logical Modeling). Statt Generalisierungs- oder Spezialisierungsebenen einzuführen, die Abstraktion ohne Mehrwert erzeugt hätten, orientierte das Team das Modell direkt an den tatsächlichen Versicherungsobjekten: Verträge, Schäden, Kunden und deren Beziehungen. Dieser domänengetriebene Ansatz hielt das Modell für technische und fachliche Stakeholder gleichermaßen verständlich und reduzierte den Abstimmungsaufwand zwischen DWH-Team und Versicherungsexperten.

Für die bi-temporale Anforderung wendete Alligator Company ein spezialisiertes Data-Vault-Muster an: Hubs mit und ohne Versionierung anstelle von Multi-Active Satellites (MAS). Versionierte Hubs verfolgen Änderungen an Business Keys über die Zeit, während nicht-versionierte Hubs stabile Identifikatoren abbilden. So bewahrt die Architektur sowohl System- als auch Geschäftszeit, ohne übermäßige Komplexität in die Data-Vault-Strukturen einzuführen.

Modellgetriebene Automation (MDA) mit dem Datavault Builder beschleunigte die Implementierung. Da sich das Quellsystem noch in der Entwicklung befand, änderten sich die Datenstrukturen häufig. MDA ermöglichte es dem Team, betroffene DWH-Komponenten aus dem Modell zu regenerieren, anstatt jede einzelne manuell anzupassen. Dies hielt die Entwicklungszyklen kurz und die Konsistenz über alle Iterationen hinweg hoch.

Neue QlikView-Reports baute Alligator Company auf Datenbank-Views auf und verschaffte dem Fachbereich damit sofortigen Zugang zu den migrierten Daten. Dort, wo die Abfrageperformance es erforderte, setzte das Team selektive Materialisierung über Business-Vault-Persistierung ein. So liefen häufig genutzte oder rechenintensive Reports innerhalb akzeptabler Antwortzeiten, ohne das gesamte Modell materialisieren zu müssen.

Ergebnis

Das DWH ging in Betrieb, während das Quellsystem noch fertiggestellt wurde. Die traditionelle sequenzielle Abhängigkeit war damit aufgehoben. Dieser parallele Ansatz sparte dem Projekt mehrere Monate gegenüber einem sequenziellen Rollout.

Migrierte Daten aus dem zentralen Versicherungssystem standen sofort im Reporting zur Verfügung und unterstützten die Migrationsvalidierung in Echtzeit. Der Fachbereich nutzte die DWH-Reports, um die korrekte Übernahme von Kunden- und Vertragsdaten zu bestätigen und Abweichungen frühzeitig zu erkennen.

  • DWH parallel zum Quellsystem geliefert, mehrere Monate sequenzielle Verzögerung eingespart
  • Migrierte Versicherungsdaten sofort im Reporting verfügbar und für die Migrationsvalidierung nutzbar
  • Modellgetriebene Automation hielt Entwicklungszyklen kurz und Qualität konsistent über häufige Quellsystemänderungen hinweg
  • Selektive Business-Vault-Materialisierung sicherte Report-Performance ohne Über-Engineering der Persistenzschicht

Spotlights

DWH parallel zum Quellsystem geliefert, mehrere Monate sequenzielle Verzögerung eingespart

Migrierte Versicherungsdaten sofort im Reporting verfügbar und für die Migrationsvalidierung nutzbar

Modellgetriebene Automation hielt Entwicklungszyklen kurz und Qualität konsistent über häufige Quellsystemänderungen hinweg

Selektive Business-Vault-Materialisierung sicherte Report-Performance ohne Über-Engineering der Persistenzschicht